Nachruf Helge Dietrich, 10. September 1944 (Dresden) – 31. August 2016 (Berlin)

 Am 31. August ist unser langjähriges Gremiumsmitglied unerwartet im Alter von 72 Jahren in Berlin verstorben. Wir sind zutiefst traurig über den Tod von Helge. Mit seinem Engagement hat er in den letzten Jahren den Pangea-Mathematikwettbewerb mit Herz und Blut unterstützt. Das diesjährige Regionalfinale Nordostdeutschland in Berlin-Hermsdorf konnte mit seiner tatkräftigen Unterstützung stattfinden. Die durch Helge entstandene Lücke wird schwer zu schließen sein. Wir werden ihn immer in bester Erinnerung behalten.

Trauerrede am 20.09.2016 von Uwe Franke (VBE Niedersachsen)

Liebe Trauergäste,

als uns die Nachricht über Helges plötzlichem Sterben im Krankenhaus erreichte, waren wir tief erschüttert.

Helge war ein überaus netter, hilfsbereiter und engagierter Mensch. Das war nicht nur Teil seines jahrzehntelangen engagierten Lehrerseins in der geteilten Inselmetropole des „Kalten Krieges“, in dem interkulturellen Schmelztiegel Berlin. Helge half auch gern Wege aus „Ausweglosigkeiten“ zu finden.

Dies gehört auch zu seinem besonderen Familienschicksal: Geboren in Dresden, Verlust des Vaters durch politischen Verrat an Bautzen, dem berüchtigten SBZ/DDR-Gefängnis; mit Mutter und Schwester Flucht nach West-Berlin, Rückkehr des Vaters nach zehn Jahren, Schulzeit im Weltbrennpunkt Berlin, Lehre, Besuch der Pädagogischen Hochschule, Fach Geschichte mit großer Neigung zur politischen Bildung und zum demokratischen Engagement.

Helge nahm uns mit auf seiner Zeitreise und spannte uns für seine Aufarbeitungsprojekte ein. Er überzeugte uns, dass die Pflege der Erinnerungskultur Teil der politischen Bildung und unseres nationalen Gedächtnisses sein müsste. Erschüttert kam er einmal von Warschau und Ausschwitz zurück, wo er das unfassbare Ausmaß des »banalen Bösen« (wie Hannah Arendt es formuliert hatte) kaum ertragen hatte.

Helge sorgte sich mit uns um das Wiedererwachen der „bösen Ränder“ in unserem Land und der rechts- wie linksextremen Auswüchse und banalen Vorurteile bis in die Mitte der Gesellschaft. Deshalb sein Engagement für eine demokratische Erziehungsschule in unserer deutschen interkulturellen Einwanderungsgesellschaft.

Es liegt im Wesen eines »Zoon Politicon«, des politisch durchdrungenen Menschen Helge, dass er kein Rentner-Ruhestand kannte.

Seine jahrelange Mitarbeit in einem türkisch-deutschen Nachhilfeverein hat ihm zum Netzwerker für die Belange von Jugendlichen mit Migrationshintergrund werden lassen und ihm zurecht in der türkischen Gemeinschaft Berlins hohe Anerkennung und Freundschaften mit Beteiligten aus vielen Ländern gebracht.

Und für die letzten Jahre muss ganz besonders sein bundesweiter Einsatz für den Pangea-Mathematikwettbewerb genannt werden. Eine Initiative, die sich der Förderung der Freude an der Mathematik unabhängig von Herkunft, Geschlecht und Leistungsniveau in den Jahrgangsstufen 3 bis 10 im deutschsprachigen Raum verschrieben hat. Als Pangea-Botschafter warb Helge unermüdlich bei Schulen, Verwaltungen, Kommunen und vermittelte auch die Partnerschaft zum VBE. Unvergessen sind Helges tägliche „Werbeauftritte“ für Pangea auf der letztjährigen Hannoveraner Bildungsmesse »didacta« am VBE- und Pangea-Stand.

Liebe Familie Dietrich,

wir bedanken uns bei Ihnen, bei Euch, dass ihr Helge diese reiche Lebensplattform, diesen großartigen Dienst an vielen Menschen, sein berufspolitisches und demokratieerzieherisches Wirken mitgetragen und geteilt habt. Als Ehemann, Vater, Großvater, Bruder und Onkel erzählte er immer mit Stolz von den vielen Familienereignissen und Entwicklungen. Helge wusste, dass das Schicksal (auch) gute Ausgänge bereithält. So ist auch für uns gewiss, dass er nun in Gottes Hand ruht!